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CEOs stellt führende Vertreter aus Wirtschaft und Industrie
in performativer Weise in den Mittelpunkt einer Videoporträtreihe.
Im heutigen globalen Leitparadigma, der Ökonomie, sind, im Gegensatz
zur Arena der Politik, die handelnden und entscheidenden Individuen, bis
auf wenige 'Stars', kaum bis gar nicht bekannt trotz ihres enormen
Einflusses auf soziale, politische Entwicklungen.
CEOs rückt entscheidende Personen, die hinter prominenten
Firmen, Labels, Logos, Trademarks,
stehen und damit auch gesellschaftlich
weitreichende Entscheidungen treffen ins Zentrum der Aufmerksamkeit und
macht sie sichtbar.
Die Videos sind so konzipiert, dass die Unternehmensvorstände in
einem für alle Teilnehmer gleichen, festgelegten Rahmen agieren.
Die Frage nach einer zeitgemäßen Form von Porträt wird
von uns im Sinne von 'Selbstinszenierung der Porträtierten'
innerhalb eines spezifischen Settings aufgeworfen: wir schaffen einen
visuell-akustischen, filmischen Rahmen, in dem die Person agiert und das
'Werk' selbst schafft sie zeichnet damit ihr eigenes
Porträt.
Der performative Auftritt und seine Zeitdauer (20 bis 40 Minuten pro Person)
hebeln die üblichen Formen der Selbstinszenierung aus. Die Porträts
zeigen reale Personen, Menschen mit ihren Wesens- und Charaktereigenschaften,
abseits professioneller Kameratauglichkeit oder einstudierter Präsenzformen.
Die Anschauungen und Strategien der Teilnehmer kommen performativ und
unzensiert zum Ausdruck.
Time based media Video und Selbstrepräsentation sind
für uns Merkmale einer heutigen Form von Porträtkunst. Die Statik
des Bildes, die repräsentative Gestik und Ikonographie mit ihren
'Insignien' (als Beispiel kann Hans Holbeins Die Gesandten genannt
werden) gehören einer früherer Zeit an. Der Porträtierte
selbst schafft in CEOs sein Porträt während der Aufzeichnung
(eine Apparatur und ein Setting 'ersetzen' dabei den Künstler), selbst-repräsentiert
sich somit in seiner Komplexität, die über das gewollt Vermittelte
hinausgeht durch Zeichen, Gesten, Worte, Laute die 'Insignien'
dieser Porträtreihe. Die Künstler selbst ziehen sich in ihrer
Aktivität auf die Schaffung eines 'Rahmens' zurück, durch den
sich und in dem sich das Porträt ereignet. Die künstlerische
Freiheit der Interpretation wird an die Porträtierten abgegeben und
spielt sich sowohl auf bewusster als auch unbewusster Ebene in die Aufzeichnung
ein.
Eine Formulierung Gerhard Roths1 adaptierend,
bilden die Porträts nicht ab, sie sind konstruktiv, und zwar von
ihrer funktionalen Organisation als auch von ihrer Aufgabe her, Verhalten
zu erzeugen, mit dem die Porträtierten die ‚Umwelt‘ des
Settings einerseits als auch die Umwelt ihrer selbst schaffen.
Leslie Sklair2 spricht von einer "transnationalen
kapitalistischen Klasse", die sich entwickelt und die einen enormen
Einfluss auf die Gesellschaft ausübt. Weitreichende Entscheidungen
und Entwicklungen, die nicht nur die globale Ökonomie, sondern auch
gesellschaftliches, ja individuelles Leben beeinflussen, werden heute
von führenden Vertretern der ( zum Teil weltweit agierenden) Konzerne
und Großfirmen getroffen und durchgeführt mit oder ohne
die Beihilfe der Politik. Dennoch sind wir auch heute noch weit vertrauter
mit Personen aus dem Politikbereich als mit den Personen hinter Unternehmen,
Interessensgruppen und Großkonzernen.
Das Videoprojekt CEOs definiert seinen Focus, indem es sich in
diesen Bereich einschleust, ohne sich Marketing-, PR- oder Presseanforderungen
zu unterstellen, und seine Aufmerksamkeit auf Individuen richtet, die
Sklair möglicherweise als Teil dieser neuen transnationalen Klasse
bezeichnen würde.
Fernand Braudel3 schreibt in Die
Dynamik des Kapitalismus: "Jede 'dichte' Gesellschaft lässt
sich in mehrere 'Einheiten' unterteilen: in den Bereich des Ökonomischen,
des Politischen, des Kulturellen und des Hierarchisch-Gesellschaftlichen.
Das Ökonomische ist nur im Zusammenhang mit den anderen 'Einheiten'
zu begreifen, in denen es sich verteilt und denen es zugleich seine Tore
öffnet".
Unser Porträtansatz lässt sich mit Braudels Vorstellung über
die Rolle der Ökonomie in der Gesellschaft beschreiben, zeigt dies
jedoch an Individuen und ihren Fähigkeiten und Kompetenzen.
CEOs verfolgt außerdem eine kunstbezogene
Hypothese: Viele Vorstände scheinen mehr und mehr in der Lage, 'künstlerische'
Verfahren, die in Relation zu Schauspiel, Rede, Komposition, Nuancierung,
Rhythmus, Form, usw. stehen, in ihrem Sinne anzuwenden. Diese Hypothese
wird einem Test unterzogen.
gn
(1)„Gehirne - so lautet meine These - können die Welt grundsätzlich
nicht abbilden; sie müssen konstruktiv sein, und zwar sowohl von
ihrer funktionalen Organisation als auch von ihrer Aufgabe her, nämlich
ein Verhalten zu erzeugen, mit dem der Organismus in seiner Umwelt überleben
kann.“, in: Gerhard Roth, Das Gehirn und seine Wirklichkeit, Kognitive
Neurobiologie und ihre philosphischen Konsequenzen, Frankfurt am Main,
1996, S. 23
(2) Leslie Sklair, The Transnational Class, Blackwell Publishers 2001
(3) Fernand Braudel, Die Dynamik des Kapitalismus, Klett-Cotta 1997

ABLAUF
Die Porträtierten treten in performativer Weise im Rahmen unseres
Videosettings auf.
Zwei Kameras nehmen sowohl das Gesicht als Close-Up, als auch die ganze
Gestalt in der Totale auf. Gestische Elemente sind sprachlichen und anderen
Aktionen gleichgestellt.
Es wird keine künstliche Beleuchtung eingesetzt.
Das natürliche Licht mit seinen Schwankungen konterkariert die Stellung
der Person. Geräusche von außen tauchen auf. Die Künstlichkeit
der Realität tritt ins Bild.
Die Akteure sprechen in ihrer Muttersprache.
Die Kleidung ist leger.
Das Videosetting ist in drei Themenkomplexe unterteilt. Die Manager-Akteure
'performen' jeden Teil durch, es gibt keine Fragen, Schnitte,
die den Sprach- und Handlungsfluss unterbrechen.
Im 1. Teil sprechen die Porträtierten über ihr eigenes Leben,
ihre Sozialisierung. Dabei soll die Zeit ihres Heranwachsens, ihre Kindheit
und Jugend thematisiert werden, weniger berufliche, Karriere bezogene
Details. Uns interessiert, wie sie sich selbst sehen.
Der 2. Teil beginnt mit einer künstlerischen Darbietung des/der
Porträtierten (einer Performance nach freier Wahl). Anschließend
sprechen die Teilnehmer über ein oder mehrere Kunstwerke (aus Literatur,
bildender Kunst, Theater, Musik, etc.), die bleibende Eindrücke in
ihrem Leben hinterließen.
Im 3. Teil antworten die Porträtierten auf Fragen, die wirtschaftliche,
politische und ästhetische Themenkomplexe betreffen. Sie erhalten
13 Kärtchen in der Größe von Spielkarten. Sie wählen
vor den Kameras sieben Fragen aus, die sie beantworten möchten. Die
restlichen sechs Fragen legen sie ab. Die Fragen werden eingeblendet,
während die Teilnehmer antworten.

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