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Ausgangspunkt dieser Installation bilden zwei bekannte Gemälde aus
dem 19. Jhdt. und Anfang 20. Jhdt.: und zwar "Der Urlauber"
von Franz Defregger und das "Tischgebet" von Albin Egger-Lienz.
Der ursprüngliche Zustand der Bilder, die ein Sujet aus Privatheit,
häuslichem Leben und alltäglichem Dasein schildern, wurde durch
das Herausschneiden der Figuren zerstört, verfremdet und entprivatisiert.
Die figurativen Leerstellen ersetzte der Künstler durch andere Bilder.
Diese neuen eingesetzten Figuren wirken wie surreale, phantastische Wesen.
Deren Leiber sind konstruiert aus "Heißluftballon", "Urlaubsorte",
"Sonnenbadende im Schnee" Bilder und Klischees, wie sie die
Tourismuswerbung vorblendet. Ein Unbehagen kommt hoch, wenn plötzlich
diese künstlich konstruierten Bilder von außen auf die leere
Brotschüssel (Egger-Lienz) starren, oder den Soldaten (Defregger)
anlächeln, genauso als ob sie ihn zum Tanz auffordern wollten. Die
ursprüngliche Geschlossenheit und Abgeschirmtheit wird durch diese
anderen Bildelemente zwar gesprengt -gezeigt aber wird jetzt wiederum
nur eine systematisch verzerrte Vorstellung und Idee von Künstlichkeit,
die eine bestimmte soziale Gruppe oder Klasse ansprechen soll und bis
ins Identitätsdenken hinüberreicht. Die scheinbare Idylle des
19. Jhds. hört auf zu existieren, und an deren Stelle tritt eine
Pseudoöffentlichkeit, die versucht, eine neue Vertrautheitszone zu
kreieren und sie zu einer Art "Überfamilie" zusammenziehen
will. (...) Das Materielle, das Sein im Sinne von Heidegger wird zwar
von allen Seiten perforiert, brüchig und durchlässig gemacht.
Aber durch was wird es nun ersetzt? Dort wo es sich öffnet und Einblicke
zuläßt, erscheint jetzt eine maßgeschneiderte Künstlichkeit.
Die Leere der Brotschüssel überträgt sich auf die Leere
der Bilder von Außen. Es stellt ein Design vor, das erzeugt wird
durch die technischen Bilder, Massenmedien, Werbung, Corporate Identity,
Konsum und Freizeitzwang, etc., das uns nochmals ein Playback des Alten
vorspielt. Die Playback-Kultur versucht die Starrheit und Gebundenheit
des Seins durch künstliche Bilder zu retten, sie (die Starrheit)
erneut für uns schmackhaft aufzubereitet, um uns zu verführen,
wieder ins alte Paradies zurückzukehren.
In der Raummitte, nach hinten gerückt, in einem
Monitor, taucht ein tiroler Jodler auf, der sich langsam in einen japanischen
Jodler verwandelt (Anm.: der Jodelweltmeister ist aus Japan). Die Austauschbarkeit
von Identitäten bezeichnet man als Multiphrenie. Die Menschen multiplizieren
sich heute immer mehr in verschiedenen Identitäten. Das Andere, das
Unbekannte, das Fremde vereinnahmt traditionelle, wertbestimmte Handlungen,
die von außen durch die Konsumkultur angepriesen werden. Jeder ist
Jeder oder Jede ist Jede. Die Menschen wollen viele Welten zum Auswählen
haben, um dadurch auch besser in der Realität der Multiplizität
zurechtkommen zu können. Deshalb hat sich auch eine Simuli-Kultur
entwickelt, also eine Kultur der inneren Bilder und der parallelen Simulationen
im Gehirn. Man nennt es auch das neue mentale Nomadentum.
Guy Debord, Die Gesellschaft des Spektakels, 1967: "Je
nachdem wie die Notwendigkeit gesellschaftlich geträumt wird, wird
der Traum notwendig. Das Spektakel ist der schlechte Traum der gefesselten,
modernen Gesellschaft, der schließlich nur ihren Wunsch zu schlafen
ausdrückt. Das Spektakel ist der Wächter dieses Schlafes."
Romana Schuler, zur Eröffnung der Ausstellung
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